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12 Oktober 2026

Kulturelle Vielfalt München

Written by Gerardo Basurco, Posted in Wahlen

Illustration zur kulturellen Vielfalt in München

Wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen gemeinsam musizieren, tanzen und ihre Geschichten erzählen, entsteht etwas, das keine Sprache der Welt vollständig beschreiben kann: Begegnung. Gerade in München zeigen zahlreiche kulturelle Initiativen, wie aus Vielfalt Gemeinschaft werden kann.

München gehört zu den internationalsten Städten Deutschlands. Menschen aus allen Teilen der Welt leben, arbeiten und gestalten hier gemeinsam ihre Zukunft. Die kulturelle Vielfalt der Stadt zeigt sich dabei nicht nur im Alltag, sondern auch in zahlreichen Projekten, Veranstaltungen und Initiativen, die Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft schlagen.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist Multicultural Flow. Das Projekt bringt Künstlerinnen und Künstler verschiedener kultureller Hintergründe zusammen und macht sichtbar, wie aus Vielfalt gemeinsames kreatives Schaffen entstehen kann. Musik wird dabei zur universellen Sprache, die Grenzen überwindet und Menschen miteinander verbindet.

Auch die Folkloregruppe Yawar Perú steht für diese Idee des kulturellen Austauschs. Seit ihrer Gründung 1988 in Riga (Lettland) präsentiert die Gruppe die Musik und Traditionen der Anden in Europa. Der Name „Yawar“, das Wort für „Blut“ auf Quechua, symbolisiert die Verbundenheit mit den eigenen Wurzeln und zugleich den Wunsch, kulturelles Erbe lebendig zu halten und mit anderen zu teilen.

Multicultural Flow im Amerikahaus München

In Debatten über Migration stehen häufig Zahlen, Gesetze und gesellschaftliche Herausforderungen im Vordergrund. Das von Luis Alvarez initiierte Projekt Multicultural Flow richtet den Blick auf den kulturellen Beitrag von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Bei seiner Vorstellung am 18. Juli 2026 im Amerikahaus München wurden der Dokumentarfilm und das Musikvideo zum Projektsong gezeigt. Ergänzt wurde das Programm durch Liveauftritte der Mitwirkenden.

Bei der Veranstaltung traten der peruanische Geiger Rodrigo Castillo, die chinesische Pianistin Cui Xiuyan, die Tänzerinnen des Kollektivs Munich Wallflowers, die ugandisch geprägte Engule Troupe, der marokkanische Rapper Nassim von Loop Roots, der Beatbox-Künstler Ronaldo Rasoloaforison aus Madagaskar und die Musiker des Projekts Apuman auf. Sie brachten unterschiedliche künstlerische Traditionen und persönliche Erfahrungen ein.

Im Zusammenspiel von Musik, Tanz, Rap, Performance und bildender Kunst entstanden neue Ausdrucksformen. Die Veranstaltung machte anschaulich, wie kultureller Austausch gelingen kann, ohne die eigene Identität aufzugeben.
Multicultural Flow zeigt damit einen wichtigen Teil des Münchner Stadtlebens: Menschen unterschiedlicher Herkunft gestalten die Kultur gemeinsam. Kunst schafft dabei Gelegenheiten zur Begegnung, zum Austausch und zum gegenseitigen Verständnis.

Yawar Perú und die Musik der Anden

Seit ihrer Gründung widmet sich die Gruppe der Pflege und Verbreitung der traditionellen Musik der Anden sowie des reichen musikalischen Erbes Lateinamerikas. Mit Charango, Quena (Andine Flöte), Zampoña (Panflöte), Gitarre und anderen traditionellen Instrumenten erzählt Yawar Perú Geschichten von den Bergen Perus, von Gemeinschaft, Freude, Sehnsucht und kultureller Vielfalt.

Im Laufe der Jahre war die Gruppe bei zahlreichen Veranstaltungen in Finnland und den baltischen Staaten zu Gast. Besonders hervorzuheben ist die Teilnahme am renommierten Internationalen Folklorefestival BALTICA für traditionelle Kultur in Estland, Lettland und Litauen. Dort konnte Yawar Perú nicht nur die peruanische Kultur präsentieren, sondern auch den kulturellen Dialog zwischen Europa und Lateinamerika fördern.

Obwohl die Gründungsmitglieder nach Abschluss ihres Studiums verschiedene Lebenswege einschlugen und heute in Peru, den USA, Lettland und Deutschland leben, ist der Geist der Gemeinschaft bis heute erhalten geblieben. Regelmäßig treffen sich die Musiker in Europa wieder, um gemeinsam aufzutreten und ihre Leidenschaft für die andine Musik lebendig zu halten.

Yawar Perú - L. López

Yawar Perú - E. Hinojosa

Yawar Perú - A. Mendoza

Ein besonderer Höhepunkt war die Zusammenarbeit beim Internationalen Folklorefestival BALTICA  2025 mit der Gruppe Inti Pacha, die seit mehr als zwei Jahrzehnten traditionelle Andenmusik in Deutschland und Europa präsentiert. Gemeinsam mit dem peruanischen Multiinstrumentalisten und Komponisten Edgard Hinojosa entstand ein musikalisches Projekt, das Tradition, Freundschaft und kulturellen Austausch vereint.

Auch München kam in den Genuss der Musik und des Gesangs von Yawar Perú. Am 19. Juli 2026 trat die Gruppe bei der Veranstaltung „PERU Summer VIBES“ auf, die vom Centro Cultural del Perú e.V. / Kulturzentrum Perus organisiert und vom Migrationsbeirat gefördert wurde.

Kulturelles Engagement und politische Teilhabe

Hinter vielen solcher Initiativen stehen Menschen, die meist nicht auf der Bühne stehen, deren Engagement jedoch entscheidend dafür ist, dass Begegnungen überhaupt stattfinden können. Einer von ihnen ist Martin Canales Romero.

Er ist Gründungsmitglied von Yawar Perú und hat das Wiedersehen der Mitglieder sowie ihre Teilnahme am Internationalen Folklorefestival BALTICA 2025 ermöglicht. Als Mitglied des Münchner Migrationsbeirats, dem er seit zwei Amtsperioden angehört, hat er verschiedene kulturelle Projekte unterstützt, darunter auch Multicultural Flow.

Baltica 1991 1
Baltica 1991 2

Beruflich arbeitet der Luft- und Raumfahrtingenieur als Berater bei der Agentur der Europäischen Union für das Weltraumprogramm (EUSPA) und ist an bedeutenden europäischen Zukunftsprojekten beteiligt. Gleichzeitig widmet er einen großen Teil seiner Freizeit dem gesellschaftlichen Engagement.

Seit 2012 steht er der „Hermandad del Señor de los Milagros en München e.V.“ vor. Im Jahr 2016 gründete er gemeinsam mit Vertretern verschiedener lateinamerikanischer Vereine den Dachverband Haus Lateinamerika e.V., dessen Ziel die Förderung und Verbreitung der kulturellen Vielfalt Lateinamerikas in Bayern und Süddeutschland ist. Zugleich soll die Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen gestärkt werden, um Integration und gesellschaftliche Teilhabe wirksamer zu fördern.

Zu seinem Engagement gehört die Gründung zusammen mit Ana Melva Pérez und SeliesterOrozco des "Comité Gestor de Múnich" (siehe:  Die peruanische Nationalität ist unwiderruflich), auch die erfolgreiche Initiative zur Anerkennung der doppelten Staatsbürgerschaft für in Deutschland lebende Peruanerinnen und Peruaner (Siehe: Doppelte Staatsangehörigkeit in Deutschland wird Realität) und die Erleichterung zur Wiedererlangung der peruanischen Staatsbürgerschaft (Siehe: Wiedererlangung peruanischer Staatsangehörigkeit).
Dieses Beispiel zeigt, dass gesellschaftliche Veränderungen dort entstehen, wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich langfristig für ihre Gemeinschaft einzusetzen.

Aus dieser Überzeugung heraus entstand auch die Wahlliste CASA LATINOAMÉRICA CALA. Ihr Ziel ist es, den kulturellen Austausch zwischen Lateinamerika und Deutschland zu fördern, den Dialog zwischen den verschiedenen Gemeinschaften zu stärken und langfristig ein kulturelles Begegnungszentrum für die lateinamerikanische Gemeinschaft aufzubauen.

Die Liste steht für Werte, die sich wie ein roter Faden durch die vorgestellten Projekte ziehen: kulturelle Vielfalt, Integration, politische Teilhabe und die Sichtbarkeit der lateinamerikanischen Gemeinschaft in München. Bemerkenswert ist dabei die Vielfalt ihrer Kandidatinnen und Kandidaten. Menschen aus Peru, Argentinien, Bolivien, Ecuador, Mexiko, Brasilien, Kuba, Spanien, Rumänien und Portugal engagieren sich gemeinsam für eine offene und solidarische Stadtgesellschaft.

CASA LATINOAMÉRICA möchte nicht nur die Interessen der lateinamerikanischen Gemeinschaft, sondern auch Europas (auf der Liste sind auch Kandidaten aus Spanien, Rumänien und Portugal aufgestellt) vertreten, sondern langfristig einen festen Ort der Begegnung schaffen. Kultur, Integration, gegenseitiges Verständnis und politische Mitwirkung sollen dort Hand in Hand gehen.

Laura Cozma, ebenfalls Mitglied des Beirats für Migration, arbeitet mit CALA zusammen. Sie setzt sich für den Erhalt kultureller Vielfalt sowie für Bildung und Integration ein – insbesondere durch die berufliche Weiterbildung von Menschen mit Migrationshintergrund.

Diese Vielfalt ist kein Zufall. Sie spiegelt das moderne München wider, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam Verantwortung übernehmen und die Zukunft der Stadt mitgestalten möchten.

Migrationsbeiratswahl München 2026

Am 22. November 2026 wird der Münchner Migrationsbeirat gewählt. Wahlberechtigt sind Einwohnerinnen und Einwohner ohne deutsche Staatsangehörigkeit, die am Wahltag mindestens 18 Jahre alt sind, seit mindestens sechs Monaten ununterbrochen ihren Lebensmittelpunkt in München haben und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind. Unter denselben Voraussetzungen können auch Deutsche mit einer zusätzlichen ausländischen Staatsangehörigkeit sowie Eingebürgerte ohne weitere ausländische Staatsangehörigkeit wählen, deren Einbürgerung höchstens zwölf Jahre zurückliegt. Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit müssen dafür die Aufnahme ins Wählerverzeichnis beantragen. Der Antrag (Formular) muss spätestens am 6. November 2026 beim Wahlamt eingehen.

Diese Wahl ist weit mehr als ein formaler Vorgang. Sie bietet die Möglichkeit, aktiv Einfluss darauf zu nehmen, welche Themen in den kommenden Jahren vertreten werden und welche Impulse für kulturelle Projekte, gesellschaftliche Teilhabe und Integration gesetzt werden.

Viele Menschen wissen nicht, dass sie wahlberechtigt sind. Dazu gehören auch Bürgerinnen und Bürger mit deutscher und einer weiteren Staatsangehörigkeit. Gerade deshalb ist es wichtig, sich zu informieren und von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Die Wahlbeteiligung bei den vergangenen Wahlen war gering (3% der Wahlberechtigten im Jahre 2023). Dabei gilt: Je sichtbarer die Beteiligung der migrantischen Gemeinschaften ist, desto stärker wird ihre Stimme in der Stadtgesellschaft wahrgenommen. Eine hohe Wahlbeteiligung ist ein klares Zeichen dafür, dass kulturelle Vielfalt, Integration und gesellschaftliches Engagement wichtige Themen für München sind.

Wer die kulturelle Arbeit von Initiativen wie Multicultural Flow unterstützt, wer den Einsatz von Gruppen wie Yawar Perú schätzt, und wer möchte, dass die lateinamerikanische Gemeinschaft auch künftig eine starke Stimme erhält, sollte an dieser Wahl teilnehmen.

Wahlliste15CASA LATINOAMERICA ist offiziell als Liste 15 zugelassen und steht für kulturellen Austausch, Integration, politische Mitbestimmung und die Sichtbarkeit der MigrantInnen.

Kultur lebt von Menschen, die sich engagieren. Demokratie lebt von Menschen, die mitentscheiden. Wer möchte, dass Projekte wie Multicultural Flow, Gruppen wie Yawar Perú und viele andere kulturelle Initiativen auch in Zukunft eine starke Stimme haben, sollte am 22. November 2026 von seinem Wahlrecht Gebrauch machen.

Jede Stimme zählt. Nutzen Sie Ihr Wahlrecht am 22. November 2026.

Für Vielfalt. Für Teilhabe. Für ein weltoffenes München.

About the Author

Gerardo Basurco

Gerardo Basurco

Er betätigt sich als Berater und Projektleiter in der Privatwirtschaft und ist Dozent in Entwicklungspolitik und Landeskunde Lateinamerikas für die AIZ/GIZ. Zudem verfügt er über langjährige Erfahrung in der Kooperation zwischen Deutschland und Lateinamerika.
Bei Peru-Vision ist er zuständig für den Bereich Wirtschaft und Politik sowie Consulting.

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