11. Dezember 2014

Nachhaltige Entwicklung im ländlichen Bereich Perus

Von Gerardo Basurco - Redakteur, Themen Binnenwirtschaft | Landwirtschaft | Nahrungsmittel

Eine schleichende Revolution in den Anden

Nachhaltige Entwicklung im ländlichen Bereich Perus

Peru hat in den letzten zehn Jahren eine der höchsten Wachstumsraten in Lateinamerika verbucht und viele Wirtschaftsindikatoren zeigen eine positive Entwicklung. Die Armutsraten haben zwar in diesem Zeitraum abgenommen, sind aber immer noch hoch. Bislang hatte sich die staatliche Armutsbekämpfung auf soziale Programme beschränkt. Nun setzt die Regierung auf die Förderung produktiver Tätigkeiten.

Haku Wiñay (Quechua für: "Wir wachsen zusammen")

Ein von der Regierung Humala im Jahre 2012 initiiertes Programm zur Reduktion der Armut, Haku Wiñay, erfasst heute mehr als 60 Tausend Haushalte in den peruanischen Anden. Im Kern geht es darum, die Wohn- und Wirtschaftssituation der bedürftigen Familien zu fördern. Zielgruppe sind Haushalte, die bereits in der Vergangenheit vom sozialen Programm "Juntos" profitiert haben.

Bei jenem Programm geht es darum, die Ernährung, Gesundheit und Bildung von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, indem die Familien ins formale System integriert werden. So erhält die Mutter eine monatliche Unterstützung von 100 S/. (peruanische Währung, 1S/. = 0,25 Euro) sowie einen Personalausweis und ein Konto, wenn sie sich verpflichtet, ihre Kinder zu Gesundheitskontrollen und in die Schule zu schicken.

Solarküche

Haku Wiñay setzt indessen den Schwerpunkt auf technische Unterstützung und den Erwerb von Anlagegütern, um die Wohnsituation zu verbessern und die wirtschaftliche Produktivität der Familien zu stärken. Eine Schlüsselrolle bei der Vermittlung von Technologien und Wissens spielen die Yachachiq. Dies sind talentierte Mitglieder der Haushalte, die zunächst von anderen erfahrenen Yachachiq oder Fachleuten ausgebildet werden und dann ihre Angehörigen unterweisen.

Die neue Techniken werden für eine bestimmte Zeit – zwischen 12 und 36 Monaten – eingeführt. Danach wird das Vorhaben gänzlich den geförderten Haushalten überlassen. Die erzielte Einkommens- und Beschäftigungssicherung soll zu Selbständigkeit und nachhaltiger Entwicklung führen. Staatliche Institutionen organisieren zudem regelmäßig Wettbewerbe unter den Haushalten.

Vorläufer von Haku Wiñay

Schon seit den 70er Jahren wurden von unter dem Namen "Pachamama Raymi" (auf Deutsch: Fest der Mutter Erde) Erfahrungen mit Projekten der Sozial- und Wirtschaftsentwicklung mit benachteiligten Gruppen in Lateinamerika und Afrika gesammelt. Diese Projekte umfassen folgende drei Komponenten:

  • Förderung oder Übernahme von Technologien
  • Wissensvermittlung von Bauern zu Bauern
  • Wettbewerbe unter den Bauern

Yachachik aus Ayacucho

Hieraus ging das Institut für Agrar-Alternative (IAA) in Peru hervor. Dieses entwickelte ein Paket mit 18 Technologien, die innerhalb von drei Jahren mit einem festen Programm durch Yachachiqs in ländlichen Haushalten umgesetzt werden können. Der intellektuelle Kopf dieses Instituts, der Soziologe Carlos Paredes, suchte die Zusammenarbeit mit Bauernorganisationen und Behörden auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene. Mit großem Erfolg sind diese Technologien in Haushalten der Departements von Cusco, Abancay, Huancavelica und Cajamarca eingeführt worden. Einige Regionalregierungen, wie beispielsweise die von Cusco, haben diese sogar zur offiziellen Agrarstrategie erklärt. Das Programm wurde "sierra productiva" ("produktives Bergland") getauft. Seitdem wird versucht, die Zentralregierung dazu zu bewegen, dass Programm auf nationaler Ebene umzusetzen.

Fazit

Sowohl das Programm "produktives Bergland" als auch das Programm "Pachamama Raymi" suchen Förderer und Finanziers. International tätige Geldgeber, wie die Siemens Stiftung, GIZ und Cosude, haben bereits entsprechende Projekte unterstützt.

Yachachik aus Ayacucho

Die Gründung von Haku Wiñay bedeutet, dass auch die peruanische Zentralregierung den Ansatz für effektiv hält. Allerdings zielt das Programm auf eine bestehende Klientel ab, nämlich wie gesagt Empfänger des staatlichen Programms „Juntos". Die Projekte von Pachamama Raymi und „produktives Bergland" hingegen gehen auf die Anfragen von unabhängigen Haushalten ein.

Beide Ansätze verfolgen eine Förderung der produktiven Tätigkeiten im ländlichen Raum und stärken die Zuversicht und Selbständigkeit der Teilnehmer. Sie könnten zu einer nachhaltigen Entwicklung und zur Verbesserung der Lebens auf dem Land beitragen.

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Über den Autor

Gerardo Basurco - Redakteur

Gerardo Basurco - Redakteur

Er betätigt sich als Berater und Projektleiter in der Privatwirtschaft und ist Dozent in Entwicklungspolitik und Landeskunde Lateinamerikas für die AIZ/GIZ. Zudem verfügt er über langjährige Erfahrung in der Kooperation zwischen Deutschland und Lateinamerika.
Bei Peru-Vision ist er zuständig für den Bereich Wirtschaft und Politik sowie Consulting.

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