05. Octubre 2015

Lima feiert seinen "Herrn der Wunder"

Von Guerlio Peralta, Themen Feste | Kultur | Newsletter - 2015 - 10 Oktober

Oktober, Lima im Zeichen von "El Señor de los Milagros"

Lima feiert seinen

Im Jahr 1651 malte ein angolesischer Sklave im Stadtteil Pachacamilla von Lima auf eine Lehmmauer das Bild eines schwarzen, gekreuzigten Christus. Die Bruderschaft, zu der er gehörte, machte aus dieser Stelle mit dem Bildnis eine Pilgerstätte, an der sie ihren Christus mit Gesang, Gitarre, Cajón und Tanz feierte.

1655 fielen bei einem verheerenden Erdbeben das Dach und die Wände des heiligen Ortes zusammen. Nur die Wand mit dem Bildnis des "Herrn des Erdbebens" blieb stehen. Dieses Geschehnis, zusammen mit Wunder, das ihm zugesprochen wurde, steigerten die Verehrung für den Sklaven und gaben ihm seinen zweiten und weltweit bekannten Namen: "Herr der Wunder".

Die Feierlichkeiten zu Ehren des schwarzen Christus kamen dem Pfarrer der Gemeinde suspekt vor. Er verbat sie im Jahr 1670 und befahl, das Bildnis zu entfernen. In mehrfachen Anläufen und mit mehreren Malern fand der Versuch statt, es zu übermalen – vergebens: Die Beauftragten erstarrten und fielen in Ohnmacht. Der Staatsanwalt bot eine Belohnung für denjenigen, der es schaffte, das Wandbild zu übermalen, niemand meldete sich. So blieb dem spanischen Vizekönig nichts anderes übrig, als die Christus-Darstellung zu segnen.

1684 wurde das Betschwester-Haus "Las Nazarenas" gegründet, das auf dem Areal errichtet wurde, wo sich die Pilgerstätte befand. Die Betschwestern wählten die Farbe Lila für ihre Tunika und so verbanden sich die Schicksale des dunkelhäutigen Christus mit dem der Schwestern.

Am 20. Oktober 1687 erfasst Lima wieder ein starkes Erdbeben, bei dem viele Menschen ihr Leben verloren. Eine Reproduktion des Bildnisses wurde angefertigt, um es erstmals außerhalb der Kirche auf einer Prozession zu ziegen. Ein paar Jahre später ernennt das Kapitel von Lima den Herrn der Wunder zum Schutzpatron der Stadt. Nachdem Lima im Jahre 1746 am 28. Oktober von  seinem bisher schlimmsten Erdbeben heimgesucht wurde, wird an diesem Tag jeder Jahr der Kult des Herrn der Wunder gefeiert.

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Bilder: Narbo Peralta

Heutzutage kleiden sich die Stadt und ihre Menschen in Lila. Straßen und Plätze werden mit Fahnen und Banner in dieser Farbe geschmückt, Frauen tragen Lila-Gewänder und Männer Lila-Krawatten. Um die mehrtägige Prozession scharen sich mannigfaltige Veranstaltungen und Bräuche, in denen sich Weltliches und Geistliches vermischt –  wie der Duft der gegrillten "Anticuchos" und des Weihrauchs und der Geschmack der "Turrones de Doña Pepa". An mehreren Stellen auf der Prozessionroute erwarten den Herrn der Wunder Freilichtbühnen mit musikalischen Darbietungen, und in der ältesten Stierkampfarenas Amerikas, der "Plaza de Acho", ereignet sich die "Feria del Señor de los Milagros".

In über 260 Städten weltweit wird der Herr der Wunder verehrt und in Prozessionen gewürdigt. In Deutschland finden Prozessionen unter anderem in Hamburg, München und Köln statt.




Zum Fest des „Señor de los Milagros“ in München

Am Sonntag, den 18. Oktober, findet in München das Fest des "Señor de los Milagros" statt. Es handelt sich dabei um ein religiöses Fest mit Gottesdienst um 11 Uhr und anschließender Prozession, beides veranstaltet von den katholischen und peruanischen Gläubigen der Kirche "Maria Heimsuchung" der spanischsprachigen katholischen Mission (Westenstr. 155, 80339 München) in Zusammenarbeit mit dem Verein "Centro Cultural del Perú e.V.". Dabei wird das Bildnis eines Schwarzen Christus durch die Straßen nahe der Mission getragen.

ProzessionBruderschaft des "Señor de los Milagros" von München

Seit unserer Kindheit waren wir Zeugen des Ausdrucks katholischen Glaubens unserer Eltern, welchen sie zu Hause mit uns Kindern teilten. Im Zuge dessen haben Sie uns eine tiefe Hingabe an den „Señor de los Milagros“ in unsere Herzen eingepflanzt. Als Erben dieser Tradition und dieses Glaubensaktes sind wir Peruaner davon überzeugt, dass es richtig und wichtig ist, diesen Kult – egal, wo wir uns befinden - zu bekennen und auszuüben, damit die peruanische Tradition des „Schwarzen Christus“ erhalten bleibt, so wie es auch die Nazarener Bruderschaft in unserem Land seit dem 17ten Jahrhundert bis heute tut.

In der bayerischen Landeshauptstadt München erkannten viele peruanische Gläubige ihr Bedürfnis und auch ihre Verantwortung, die Verehrung des „Señor de los Milagros“ fortzusetzen und zu verstärken. So begingen die treuen Gläubigen, unter der Organization des Centro Cultural del Perú e.V., zum ersten Mal das Fest des „Mes Morado“ am 17. Oktober des Jahres 2010, mit einem Gottesdienst, zelebriert von Monsignore Alberto Martínez Millán, in der Kirche Maria Heimsuchung der spanischsprachigen katholischen Mission sowie einer anschließenden Prozession, in der sie das Bildnis des „Schwarzen Christus“ durch die Straßen trugen.

Im folgenden Jahr 2011 erhöhte sich die Zahl der Gläubigen in dem Maße, dass diverse Gruppen gebildet werden konnten, um die verschiedenen Aktivitäten des religiösen Festes und der Prozession vorzubereiten und zu organisieren. Entsprechend der Tradition organisierten die Gläubigen die Chorproben, leiteten die „Novenas“ (Gebete) an, arrangierten den Blumenschmuck rund um das Bildnis des „Señor de los Milagros“ und bildeten zum ersten Mal die Trägergruppe für die Trage des Bildnisses.

Im Jahr 2012 kamen noch mehr Katholiken, darunter auch Deutsche, zu der anfänglichen Gruppe der Gläubigen hinzu, um die Tradition aus Lima, die die Bruderschaft der Nazarener eingeführt hat, mit allen Details weiterzuführen.

Die Bruderschaft des „Señor de los Milagros“ von München wurde am 31. Juli 2012 von einer Gruppe von Peruanern, die in dieser Stadt seit mehreren Jahren leben, gegründet. Sie wurde offiziell am 19. November des gleichen Jahres in das Vereinsregister in Deutschland eingetragen.

Die dritte Prozession, die am Sonntag, den 18. Oktober 2012 stattfand, wird ein wichtiges Datum in der kurzen Geschichte unserer Bruderschaft bleiben. Seitdem füllen immer mehr Gläubige aus verschiedenen Ländern unsere Reihen, die ebenfalls bei der Organisation dieser religiösen Veranstaltung einen bedeutenden Beitrag leisten. An jenem Tag kleideten sich die Mitglieder der Bruderschaft zum ersten Mal mit der Ordenstracht sowie anderen Utensilien, die extra von Peru nach München gebracht wurden.

Am 26. April 2013 stellte der Verwaltungsrat der Nazarener Bruderschaft in Lima als Nachweis der Eintragung in das Register der artverwandten Bruderschaften das Dekret Nr. 010-2013-M-JSP aus, welches die "Bruderschaft des „Señor de los Milagros“ in München e.V." als affine Religionsgemeinschaft der ursprünglichen Bruderschaft des „Señor de los Milagros“ in Lima erklärt.

Der Beitritt neuer Gläubiger spornt die Bruderschaft des „Señor de los Milagros“ von München an, weiterhin den traditionellen Gottesdienst und die Prozession zu Ehren des „Schwarzen Christus“ zu organisieren und zu verbessern. Jedes Jahr am dritten Sonntag im Oktober wird dieses religiöse Fest gefeiert. In der bayerischen Landeshauptstadt ist diese Tradition durch die freundliche Unterstützung der spanischsprachigen katholischen Mission bereits zu einer festen Einrichtung geworden.

Dieses Jahr werden wir zum sechsten Mal den Gottesdienst und die anschließende Prozession zu Ehren des „Schwarzen Christus“ veranstalten und laden daher alle Katholiken aus dem Süden Deutschlands herzlich ein, mit uns zu feiern.

Wir sehen es als unsere Aufgabe, die katholische Religion unter Peruanern, Lateinamerikanern und Deutschen in München zu verbreiten und zu fördern. Wir unterstützen auch die Vereinigung der peruanischen und lateinamerikanischen katholischen Gemeinden in Bayern.

Quelle: Aus dem spanischen Text “Devoción al Señor de los Milagros en Munich y nace nuestra Hermandad”, Übersetzung: B. Kapfhammer

Über den Autor

Guerlio Peralta

Guerlio Peralta

Guerlio Peralta verfügt über langjährige Erfahrung im Management von IT-Projekten im CRM- und Support-Bereich. Seit 2007 hat er sich auf die Konzeption, Erstellung, Administration und Pflege von Internet-Portalen spezialisiert. Bei Peru-Vision ist er redaktionell zuständig für die Bereiche Tourismus und Gastronomie. Außerdem ist er zuständig für Technik, Kultur und Multimedia sowie für den Vertrieb.

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