26. Januar 2026
Die Staatshaushaltskrise 2026 – eine tickende Zeitbombe in Peru
Im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos (19.–23. Januar 2026) wies der Präsident der Zentralbank Perus, Julio Velarde, auf die Stärke der peruanischen Währung, den Stand der internationalen Währungsreserven (28 % des BIP) sowie auf die niedrige und stabile Inflation und die ausgewogene Fiskalpolitik mit stabilen Staatsfinanzen und niedrigen Schulden hin (vgl: Wirtschaftslage 2025 nach Julio Velarde). Er fügte hinzu, dass dies trotz politischer Krisen und ständiger Regierungswechsel – neun Präsidenten in zwei Jahrzehnten – gelungen sei.
Hinsichtlich der Fiskalpolitik wird der peruanische Kongress jedoch durch die Verabschiedung zahlreicher Gesetze zu einer übermäßigen Steigerung der Staatsausgaben führen. Diese könnten zukünftig teils durch Verschuldung gedeckt werden, was zu einer kritischen Situation führen könnte.
In den nächsten Ausführungen werden wir uns mit dieser Problematik befassen und dabei auch den kritischen Stimmen in Peru Gehör schenken.
Der Kongress als Hauptakteur des Desasters
- Seit 2021 hat der Kongress 229 Gesetze verabschiedet, die die permanenten Staatsausgaben erhöhen, ohne eine klare Finanzierungsquelle zu nennen.
- Die Kosten dieser Initiativen belaufen sich bisher auf über 35.796 Millionen Soles (peruanische Währungseingheiten, 1 Euro= 4 Soles).
- Dabei wurden technische Berichte und Warnungen des Wirtschaftsministeriums (MEF) sowie des Fiskalrates systematisch ignoriert.
Die Schuldenfalle: 33 % bis 70 % des BIP
- Die Staatsverschuldung liegt aktuell bei etwa 33 % des BIP, könnte sich aber bei Umsetzung der aktuellen Vorhaben auf 70 % verdoppeln.
- Dies würde bedeuten, dass ein Großteil des nationalen Budgets künftig nur noch für Zins- und Tilgungszahlungen aufgewendet werden kann, statt in Bildung oder Gesundheit zu fließen.
- Trotz hoher Rohstoffpreise (Gold und Kupfer) stagniert das Wirtschaftswachstum bei lediglich 3 %.
Das Dilemma für 2026: Unpopuläre Reformen oder Kollaps
- Die neue Regierung wird vor der Wahl stehen: Sofortige, unpopuläre fiskalische Anpassungen vorzunehmen oder auf einen externen Schock zu warten, der den Handlungsspielraum komplett vernichtet.
- Es besteht die Gefahr, dass Investitionen in Infrastruktur (Straßen, Krankenhäuser, Schulen) gestoppt werden müssen, um die aufgeblähten Gehaltslisten des Staates zu bedienen.
- Wichtige Bergbauprojekte im Wert von 70.000 Millionen Dollar liegen aufgrund bürokratischer Ineffizienz brach.
Stimmen von Experten zum Thema
| Alonso Segura (Präsident des Fiskalrates) | „Das teure Erbe“: Er warnt eindringlich davor, dass das Land die massiven Mehrausgaben des aktuellen Kongresses „sehr teuer bezahlen“ wird. Die fiskalische Stabilität wurde für kurzfristige politische Interessen geopfert. |
| David Tuesta (Ex-Wirtschaftsminister) | „Die brutale Realität“: Er prophezeit dem nächsten Präsidenten eine „fiskalische Erbschaft“, die sofortige, unpopuläre Entscheidungen erzwingt. Ein Aufschieben der Probleme führt unweigerlich in einen unkontrollierbaren wirtschaftlichen Schock. |
| Carlos Casas (Dekan Universidad del Pacífico) | „Strukturelle Anpassung“: Er betont, dass Peru an einem Punkt angelangt ist, an dem kosmetische Korrekturen nicht mehr ausreichen. Es müssen permanente Änderungen bei Einnahmen (Steuern) und Ausgaben her, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. |
Schlußfolgerungen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit über 35 Milliarden Soles an ungeplanten Ausgaben und einer drohenden Verdopplung der Staatsverschuldung steuert Peru auf einen perfekten Sturm zu. Der nächste Präsident wird kein Land regieren, sondern eine Krise verwalten müssen, die heute im Kongress sehenden Auges herbeigeführt wird. Die Frage für 2026 lautet nicht mehr ob ein harter Sparkurs kommt, sondern nur noch wie schmerzhaft er für die Bevölkerung sein wird.
Die "makroökonomische Krone" Perus – die fiskalische Stabilität der letzten drei Jahrzehnte – ist ernsthaft in Gefahr.
Quellen: Consejo Fiscal, Hildebrandt en sus 13 12.12.2025) YouTube1, YouTube2, Semana Económica und COMEX


