18. Juni 2026
IFAT 2026: Kooperation, Innovation und Allianzen zwischen Deutschland und Südamerika
München – Welthauptstadt der Umwelttechnologien
München hat sich erneut zum globalen Epizentrum der Umwelttechnologien entwickelt. Mit der IFAT Munich 2026 fand die weltweit führende Fachmesse für Wasser-, Recycling-, Kreislaufwirtschafts- und Ressourcenmanagementlösungen statt.
Zum 60-jährigen Jubiläum unterstrich die Messe ihre globale Bedeutung: Vom 4. bis 7. Mai 2026 präsentierten rund 3.400 Aussteller aus über 60 Ländern auf einer Ausstellungsfläche von etwa 300.000 m² ihre Innovationen. Rund 142.000 Fachbesucher aus 160 Nationen und mehr als 460 Konferenzen, Panels und Fachvorträge machten die IFAT zu einer der einflussreichsten Plattformen für die Diskussion über die Zukunft der industriellen und urbanen Nachhaltigkeit.
Besonders hervorzuheben ist die starke Präsenz von Unternehmen aus dem Bergbausektor.
Ein Schauplatz für Lösungen der Zukunft
Südamerika war auf dieser internationalen Bühne besonders dynamisch vertreten. Unternehmens- und Fachdelegationen aus Peru, Brasilien, Chile, Paraguay, Argentinien und weiteren Ländern der Region nahmen aktiv an strategischen Treffen, technischen Besichtigungen und Networking-Veranstaltungen teil, um die Verbindungen zum deutschen Technologie-Ökosystem zu stärken.
Die erste spezialisierte peruanische Mission auf der IFAT
Ein Highlight für Peru war der „Innovation Tour Minería & Industria IFAT worldwide 2026“, organisiert von der AHK Peru in Kooperation mit dem State of Bavaria Office for South America und dem Peruanisch-Deutschen Zentrum für Bergbaugeschäfte. Erstmals nahm eine strukturierte peruanische Fachdelegation an der Messe teil und erhielt direkten Zugang zu Spitzentechnologien und europäischen Best-Practice-Modellen für den Umwelt- und Industriesektor.
Zur Delegation gehörten Vertreter peruanischer Unternehmen aus den Bereichen Bergbau, Energie und Industrie, darunter Alpayana, Cálidda, Compañía Minera Poderosa, Colquisiri und SINAUC S.A.C. Sie absolvierten ein intensives Programm aus Meetings, technischen Rundgängen und Geschäftsaustausch. Die Mission wurde von Marina Yzú, stellvertretende Generaldirektorin und Leiterin für Innovation, Technologie und Nachhaltigkeit der AHK Peru, begleitet
Die deutsche Technologie-Offensive setzt auf nachhaltigen Bergbau in Peru
Die folgenden Absätze stammen aus Interviews mit Federico Thielemann, dem Geschäftsführer der Deutsch-Peruanischen Industrie- und Handelskammer (AHK Peru), und David Schmidt, dem Wirtschaftsberater der deutschen Botschaft in Peru.
Seit zwei Jahrzehnten haben sich 25 deutsche High-Tech-Unternehmen in Peru als zuverlässige Partner des Bergbausektors etabliert. Während der Fokus anfangs vor allem auf Rohstoffen lag, strebt die Zusammenarbeit nun eine breitere Ausrichtung auf die peruanische Wirtschaft an. Im Mittelpunkt bleibt jedoch das Ziel, den Bergbau effizienter, nachhaltiger und technologisch fortschrittlicher zu gestalten.
Laut Federico Thielemann hat sich die deutsche Unternehmensgruppe zu einer echten „deutschen Marke“ in Peru entwickelt. Botschaft, Handelskammer und Unternehmen arbeiten eng zusammen, um neue Partner – insbesondere bei großen Bergbaukonsortien – zu gewinnen. Die Zusammenarbeit erfolgt bewusst als gemeinsamer Auftritt, obwohl einige Unternehmen direkte Wettbewerber sind. Gerade darin liegt die Stärke des Modells: Es ermöglicht ein koordiniertes Angebot für die gesamte Bergbaulieferkette.
Thielemann betonte die wachsenden ökologischen und sozialen Anforderungen an den peruanischen Bergbau. Deutsche Unternehmen können mit Technologielösungen in den Bereichen Umweltstandards, Wassermanagement, digitale Steuerung und effiziente Produktionsprozesse unterstützen. Themen wie Künstliche Intelligenz, Big Data und Internet of Things gewinnen zunehmend an Bedeutung. Deutschland bringt dabei eigene Erfahrungen aus dem Strukturwandel im Bergbausektor ein – etwa beim Bergwerksverschluss, der Nachsorge und der Umnutzung ehemaliger Bergbauregionen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Sanierung von Umweltschäden aus dem Bergbau. Es gibt bereits erfolgreiche gemeinsame Projekte zwischen Peru und Deutschland, die als Vorbild dienen. Politisch wurden kürzlich Gespräche mit dem peruanischen Energieministerium wiederaufgenommen, um bestehende Rohstoff- und Kooperationsabkommen voranzutreiben.
In den kommenden Monaten setzt die deutsche Seite besonders auf die Expomin, wo Deutschland erstmals mit einem offiziell kofinanzierten Pavillon vertreten sein wird. Ziel ist es, die technologische Stärke deutscher Unternehmen im peruanischen Bergbau sichtbarer zu machen und frühzeitig bei Projekten, Ausschreibungen und Investitionen präsent zu sein. Die Botschaft ist klar: Deutschland möchte nicht nur Partner im peruanischen Bergbau bleiben, sondern aktiv an dessen Transformation mitwirken.
Angewandte Technologie und internationales Networking
Der Innovation Tour umfasste Fachbesuche bei führenden Unternehmen wie Siemens, German Water Partnership, Wilo, Bosch Rexroth, Kaeser Kompressoren, HUBER Technologies, Bioworks, BHS-Sonthofen und dem UmweltCluster Bayern – einem der wichtigsten Umweltcluster Bayerns.
Außerhalb des Messegeländes besuchte die peruanische Delegation unter anderem die Kläranlage PTAR Landshut (mit Technologien von Flottweg), HUBER SE und die Kaeser-Kompressorenwerke in Coburg.
Ein zentrales Element war der „Bavaria – South America Environmental & Technology Exchange“ – ein Networking- und Fachforum für Unternehmen, Institutionen und lateinamerikanische Vertreter zu Themen wie Wassermanagement, Energierückgewinnung und Umwelttechnologien.
Verantwortungsvoller Bergbau und Kreislaufwirtschaft: Peruanische Beispiele
Compañía Minera Colquisiri gilt als Vorreiter für die Integration von Bergbau und nachhaltiger Regionalentwicklung. Das polymetallische Bergwerk in der Provinz Huaral setzt auf Kreislaufwirtschaft: Etwa die Hälfte der Tailings wird als hydraulisches Füllmaterial wiederverwendet, ein Großteil des Prozesswassers wird rezirkuliert. Das Unternehmen fördert zudem landwirtschaftliche Projekte, Umweltbildung und Gemeindeentwicklung.
Vuelve Compostario widmet sich der dezentralen Kompostierung organischer Abfälle und leistet damit einen Beitrag zur Reduzierung von Deponiemüll und zur Rückgewinnung von Ressourcen für Landwirtschaft und Stadtgrün.
Beide Initiativen zeigen, dass wirtschaftliches Wachstum und Umweltschutz keine Gegensätze, sondern komplementäre Ziele sind – eine Kernbotschaft der IFAT 2026.
Im Gespräch mit Francisco Burbano von Colproject HYDRYX (Kolumbien) wurden innovative Wasseraufbereitungslösungen vorgestellt, die in Partnerschaft mit dem deutschen Unternehmen Cerafiltec (Keramikmembranfilter) umgesetzt werden.
André Aroni - Minera Colquisiri
Francisco Burbano de Colproject Ing
Ausblick
Die IFAT Munich 2026 hat erneut gezeigt, wie wichtig internationale Kooperation bei der Bewältigung künftiger Umweltherausforderungen ist. Die peruanische Beteiligung markiert einen wichtigen Schritt: Direkte Kontakte zu globalen Branchenführern, Einblicke in angewandte Technologien und neue Kooperationsmöglichkeiten stärken die industrielle und ökologische Entwicklung Perus..
Quellen: IFAT


