10. Februar 2016

Fahrzeugmarkt Peru: Weniger Verkäufe – Ansätze eigener Produktion

Von Richard Meier, Themen Automobil | Wirtschaft | Maschinen/Anlagen

Der Neuwagenverkauf ist in Peru auch im vergangenen Jahr zurückgegangen. Die Zahl sank laut Automobilverband Araper um acht Prozent auf 173.000, nachdem 2014 eine Reduktion von sieben Prozent und damit das Ende eines fünfjähriges Marktwachstums zu verzeichnen war. Andererseits gab es auf den anderen lateinamerikanischen Märkten im zurückliegenden Jahr höhere Einbußen im zweistelligen Prozentbereich. Bei PKW betrug das Minus in Peru sechs Prozent auf 130.000, bei leichten Nutzfahrzeugen wie Kleinbussen oder Lieferwagen elf Prozent auf 28.000 und bei schweren Lastwagen 16 Prozent auf 13.000.

Die Zurückhaltung privater Autokäufer führen Analysten der Scotiabank unter anderem darauf zurück, dass die Landeswährung gegenüber dem Dollar im vergangenen Jahr deutlich abgewertet hat, was die Kaufkraft schwächte. Für gewerblich genutzte Fahrzeuge kamen weniger Nachfragen aus der Minen- und Bauwirtschaft.

Glimpflich war der Rückgang bei Omnibussen (-2 % auf 2.000). Kürzlich kündigte die Fernbuslinie Cruz del Sur in der Zeitung Gestion an, im Jahr 2016 etwa 40 Millionen US-Dollar in ihre Flotte zu investieren. Das Unternehmen will von seinen 300 Bussen 82 durch neue ersetzen und 30 weitere hinzukaufen. Auch die Stadt Lima baut ihren Bestand aus: Im Januar wurden 65 von der peruanischen Firma Modasa gefertigte Busse in Betrieb genommen. In der peruanische Hauptstadt werden zugleich altersschwache Minibusse nach und nach aus dem Verkehr gezogen; im vergangenen Jahr waren es ein Viertel der zuletzt 21.000 Fahrzeuge, mit denen Kleinunternehmer öffentlichen Personennahverkehr anbieten.

Bus Lima

Neue Busse, pünktlich zum Jahrestag der Stadt: Sie verkehren auf der Achse Javier Prado – La Marina – Faucett (Foto: Muni. Lima)

Volkswagen legt neuerdings zu

Marktführer im peruanischen Automobilgeschäft sind Toyota, Hyundai und Kia, mit jeweils über 20.000 verkauften Wagen im vergangenen Jahr. Sie mussten Vertriebsrückgänge von sieben bis neun Prozent hinnehmen. Nissan, Chevrolet und Suzuki kommen auf je um die 10.000 Verkäufe, wobei Chevrolet 22 % weniger absetzte. Die nächstgrößeren Anbieter sind Mitsubishi und Volkswagen mit 4.600 verkauften Fahrzeugen. Der deutsche Konzern hat sogar als einer der wenigen in Peru seinen Umsatz um 3,4 % gesteigert – der Abgasskandal zeigte hier offenbar keine Wirkung. In den Vorjahren hatte VW in Peru noch Einbußen erlebt.

Die anderen deutschen Marken Daimler, BMW und Audi und gehören mit Verkaufszahlen von 1.000 bis 2.000 nicht zu den zehn größten Anbietern, sind aber wie das Premiumsegment überhaupt gewachsen. Porsche steigerte sich im zurückliegenden Jahr um schätzungsweise zehn Prozent auf rund 200 verkaufte Autos in Peru.

Bei Schwerlasttransportern scheint der Markt ebenfalls im oberen Bereich zu wachsen: Wie ein Volvo-Vertriebsleiter der Zeitung Gestion sagte, werden 2016 Kippwagen mit fünf Achsen und einer Tragfähigkeit von 62 Tonnen in den Markt eingeführt. Derzeit haben drei Viertel der Lastwagen drei Achsen und das übrigen Viertel vier; diese sind auf 40 bis 50 Tonnen ausgelegt. Volvo wird im ersten Halbjahr zehn Fünf-Achser an Bergwerkbetreiber liefern.

Zulieferer für Mexikos Autoindustrie

In Peru existieren keine Autofabriken, wohl aber Produktionsstätten für Komponenten, Montagefabriken (beispielsweise lässt Honda in Iquitos jährlich über 30.000 motorisierte Zwei- und Dreiräder zusammensetzen) und das genannte Unternehmen Modasa, das 1977 als Motorenproduzent begann und seit 2003 Busse montiert. Es beliefert auch Nachbarländer und plant den Markteintritt in Kanada und Australien. In diesem Jahr richtet Modasa in seinem Werk in Lurin bei Lima, wo derzeit im Schnitt zehn Stadt- und Reisebusse am Tag entstehen, eine weitere Produktionslinie ein.

Laut Gestion gibt es in Peru sechs Hersteller für Buskarosserien und -fahrgestelle, mit einem Jahresumsatz von etwa 250 Millionen US-Dollar. Drei Werke befinden sich in der Hauptstadtregion und je eins in Arequipa, Trujillo und Huancayo. Nach Zahlen des nationalen Statistikamts hat die Fabrikation im Bereich Motorräder und Fahrzeuge einen Anteil von 0,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt, was etwas mehr als 500 Mio. US-Dollar entspricht.

Peruanische Hersteller exportierten nach Angaben des Außenwirtschaftsministerium zwischen Januar und November 2015 Autoteile im Wert von elf Millionen US-Dollar nach Mexiko, dem zusammen mit Brasilien wichtigsten Standortort für die Fahrzeugproduktion in Lateinamerika. Überwiegend handelt es sich um Kleinunternehmen, die Reifen, Einfassungen, Radlager, Federungen und Anlasser herstellen. Das Ministerium hofft, dass sich Peru als Zulieferer für die mexikanische Autoindustrie entwickeln wird. Mit sieben peruanischen Firmen will die Regierung für die Etablierung von Wertschöpfungsketten in diesem Bereich sorgen. (Quellen: Araper, Gestion I, Gestion II, Lima I, Lima II, Scotiabank, Außenwirtschaftsministerium)

Über den Autor

Richard Meier

Richard Meier

Bei Peru-Vision zuständig für die deutschsprachige Redaktion sowie Industrie- und Infrastrukturthemen.

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