11. Februar 2026
Deutschland und Peru 2026: Strategische Partnerschaft mit Zukunft
Aus einem Interview der deutschen Botschafterin Sabine Bloch
Die Beziehungen zwischen Deutschland und Peru sind historisch gewachsen, politisch gefestigt und wirtschaftlich dynamisch. Im Jahr 2026 zeigt sich die bilaterale Partnerschaft so vielfältig wie nie zuvor: von milliardenschweren Infrastrukturinvestitionen über ambitionierte Klimaprojekte bis hin zu intensiven Bildungs- und Kulturaustauschen.
Die jüngsten Entwicklungen verdeutlichen: Deutschland versteht sich nicht nur als Handelspartner, sondern als strategischer Begleiter Perus in zentralen Transformationsprozessen – ökologisch, wirtschaftlich und institutionell.
Aus einem Interview der deutschen Botschafterin in Peru, Sabine Bloch, mit der Revista Economía (Zeitschrift Economía).
1,4 Milliarden Soles für Entwicklung und Klimaschutz
Im Rahmen der deutsch-peruanischen Entwicklungszusammenarbeit wurden 2024 neue Projekte im Umfang von rund 1,4 Milliarden Soles (ca. 350 Mio. EUR) zugesagt. Der Schwerpunkt liegt klar auf Zukunftsthemen:
- • Klimaschutz und Energiewende
- Kreislaufwirtschaft
- Energieeffizienter sozialer Wohnungsbau
- Biodiversitätsschutz in Amazonas- und Andenregionen
- Gleichstellung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen
- Unterstützung des OECD-Beitrittsprozesses Perus
Ein zentrales Instrument ist die „Peruanisch-Deutsche Klimaallianz“, die staatlichen Akteure, Privatwirtschaft, indigene Gemeinschaften und junge Generationen einbindet.
Ein weiterer Meilenstein für 2026 ist die neue Phase der Gemeinsamen Absichtserklärung zwischen Peru, Deutschland, Norwegen und dem Vereinigten Königreich zur Reduktion von Treibhausgasemissionen durch Waldschutz.
Deutschland begleitet Peru dabei sowohl technisch (GIZ, PTB) als auch finanziell (KfW) – mit zinsvergünstigten Krediten, programmatischen Darlehen und institutioneller Beratung.
Infrastruktur als Motor wirtschaftlicher Dynamik
Ein sichtbares Symbol deutscher Investition ist der neue Terminal des Internationalen Flughafens Jorge Chávez in Lima.
Mit einer Investition von 1,6 Milliarden US-Dollar durch Fraport AG (Lima Airport Partners) wurde die Kapazität auf bis zu 40 Millionen Passagiere jährlich ausgelegt. Bereits 2025 nutzten 25,5 Millionen Reisende den Flughafen – Tendenz steigend.
Der Ausbau stärkt:
- die Wettbewerbsfähigkeit Perus als Logistik-Hub
- tausende direkte und indirekte Arbeitsplätze
- die Integration in internationale Lieferketten
Im Rahmen der europäischen Initiative Global Gateway wird zudem diskutiert, Callao als integrierten maritim-luftfahrttechnischen Logistikstandort weiterzuentwickeln.
Weitere deutsche Investitionsinteressen bestehen in:
- Eisenbahninfrastruktur (Küstenzug, Metro Lima Linien 3 & 4)
- Interurbane Busplattformen
- Erneuerbare Energien, insbesondere in Arequipa
- Wasser- und Abwasserprojekte (u.a. Trujillo, Chimbote, Lima – La Atarjea)
Der Entwicklungsbank KfW kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu.
Technologischer Partner der Bergbauindustrie
Deutschland ist nicht direkt in die Rohstoffförderung involviert, jedoch ein bedeutender Technologiezulieferer.
Auf der Bergbaumesse Perumin präsentierten sich über 70 deutsche Unternehmen mit High-Tech-Lösungen „Made in Germany“ – von Spezialmaschinen bis zu integrierten Systemlösungen, organisiert in der sogenannten Canasta tecnológica alemana der AHK Peru.
Ziel ist eine formelle, sichere und nachhaltige Bergbauindustrie, die Umwelt- und Sozialstandards erfüllt.
Die Botschaft ist klar: Nachhaltigkeit und Produktivität sind keine Gegensätze – sondern Wettbewerbsvorteile.
Handel auf Rekordniveau
Der bilaterale Handel erreichte zuletzt rund 2,14 Milliarden US-Dollar. Deutschland ist der wichtigste europäische Lieferant für Peru.
Neben Großinvestitionen prägen bekannte Marken den Alltag:
- Bayer
- Siemens
- Faber-Castell
- Heinz Glas
- Adidas
- Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche, Volkswagen
- NIVEA
- Aspirin
Gleichzeitig zeigen sich neue Dynamiken: deutsche „Hidden Champions“ planen Marktausweitungen, insbesondere im Bereich erneuerbare Energien und Mobilität.
Bildung und Wissenschaft: Rekordzahlen im Austausch
Die akademischen Beziehungen erreichen historische Höchststände:
- 129 Hochschulkooperationen zwischen Peru und Deutschland
- Fast 2.000 peruanische Studierende in Deutschland
- 486 DAAD-Stipendiaten im Jahr 2024
Neue Förderprogramme konzentrieren sich auf MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).
Deutschland positioniert sich hier als Wissens- und Innovationspartner, während Peru zunehmend qualifizierte Fachkräfte mit internationaler Erfahrung gewinnt.
Kulturelle Brücken und historische Wurzeln
Neben Wirtschaft und Politik spielt Kultur eine verbindende Rolle.
Das Goethe-Institut und die Deutsche Botschaft organisieren regelmäßig:
- Konzerte (Klassik, Jazz, elektronische Musik)
- Filmbeiträge im Europäischen Filmfestival
- Literaturveranstaltungen
- Austauschprogramme
Besonders symbolträchtig ist die Geschichte der österreich-deutschen Kolonien in Pozuzo und Oxapampa.
Im 19. Jahrhundert wanderten rund 300 Menschen aus Tirol, Bayern und dem Rheinland in die zentrale Selva ein. Heute prägen ihre Nachfahren – meist peruanische Staatsbürger – noch immer Architektur, Gastronomie und Traditionen der Region.
Ein aktuelles Kulturprojekt dokumentiert dieses Erbe in einem Fotobuch, das die einzigartige deutsch-österreichisch-peruanische Fusionsküche (inklusive „Strudel de plátano“) festhält.
Investitionsklima: Potenzial mit Bedingungen
Trotz positiver Dynamik formuliert die deutsche Seite klare Erwartungen:
- Rechts- und Planungssicherheit
- Vertragstreue („pacta sunt servanda“)
- Transparente und stabile Regulierung
- Unabhängige Institutionen
- Effiziente Verwaltung und schnelle Streitbeilegung
Internationale Investoren vergleichen Standorte global. Peru konkurriert nicht nur regional, sondern weltweit.
Besonders bevorzugt werden öffentlich-private Partnerschaften (PPP) und B2B-Modelle gegenüber staatlichen G2G-Konstruktionen.
Demokratisches Jahr 2026: Politische Begleitung
Als Wahljahr hat 2026 auch institutionelle Bedeutung. Deutschland unterstützt den demokratischen Prozess unter anderem durch Beteiligung an EU-Wahlbeobachtungsmissionen und durch Unterstützung peruanischer Auslandswähler in Deutschland.
Schlussfolgerungen: Eine Partnerschaft mit strategischer Tiefe
Deutschland und Peru blicken auf über sechs Jahrzehnte intensiver Zusammenarbeit zurück.
Doch 2026 markiert mehr als nur Kontinuität:
Es geht um Transformation – hin zu klimaneutraler Wirtschaft, moderner Infrastruktur, nachhaltigem Bergbau und institutioneller Stärkung.
Mit umfangreicher Entwicklungszusammenarbeit, signifikanten Investitionen und wachsendem Bildungs- und Kulturaustausch positioniert sich Deutschland als langfristiger Partner Perus.
Die Voraussetzungen für weiteres Wachstum sind gegeben.
Entscheidend wird sein, ob regulatorische Stabilität, institutionelle Integrität und wirtschaftliche Attraktivität weiterhin gewährleistet werden.
Wenn dies gelingt, könnte die deutsch-peruanische Partnerschaft in den kommenden Jahren zu einem Modellfall strategischer Zusammenarbeit zwischen Europa und Lateinamerika werden.
Quelle: Revista Economía

