27. Dezember 2023

Das dunkelste Peru

Von Ernst R. Hartmann, Themen Gesellschaft und Kultur | Literatur

Die Geschichte von Bär Paddington - für Nea, Elijah und Noah

Fischerboote an der Küste Chimbotes

Mal ehrlich. Wer mag ihn nicht. Den kleinen Kerl, der verloren auf einem Bahnsteig in Padding-ton Station auf etwas wartet. Er weiß nicht, worauf. Und findet sie doch. Die Browns, seine neue Familie. Als blinder Passagier, ohne Papiere, illegal in Great Britain eingereist, erscheint er uns in seinem blauem Dufflecoat, dem roten Hut und seinem Bemühen um Höflichkeit britischer als mancher Brite. Vielleicht lud die Queen ihn deshalb im Juni 2022 zu ihrem 70. Thronjubiläum zum Tee ein.

 

 

 



Doch woher kommt Paddington? Wollt ihr nicht auch erfahren, wo Paddington, seine Tante Lucy und ihr Mann lebten, bevor unser kleiner Held in London landete? Paddington hat diese Frage immer beantwortet mit: „Im dunkelsten Peru.“ Und wir können noch auf einen weiteren Hinweis zurückgreifen: Wir müssen im Amazonasgebiet suchen.

ANPIch habe mir die topographische Karte Perus angesehen und einige der insgesamt 15 ausgewiesenen Naturschutzgebietes (Parques Nacionales) eingezeichnet – Paddington würde sagen: der „dunkelsten Gegenden“ Perus.

Ein Kandidat scheint mir besonders geeignet: der Parque Nacional Yaguas, der nordöstlichste der peruanischen Nationalparks. Er entstand 2018 auf Drängen indigener Gemeinden und Organisationen, die den illegalen Holzschlag und das illegale Schürfen nach Gold unterbinden wollten.

Im Parque Nacional Yaguas herrscht mit 88 % Luftfeuchtigkeit ein tropisches Klima vor. Die Regenzeit erstreckt sich vom Dezember bis zum Mai über sechs Monate.

Zu den häufigsten Baumarten im Nationalpark zählen der Sandbüchsenbaum und der Kapokbaum. 600 Vogel-, 150 Säugetier-, 110 Amphibien- und 100 Reptilienarten leben in diesem Schutzgebiet. Unter anderem der Braune Wollaffe, der Ameisenbär, der Flachlandtapir, der Riesenotter, der Amazonas-Manati, der Amazonasdelfin, Kaimane und die Waldschildkröte. Mit 300 Arten weisen die Flüsse einen unschätzbaren Fischreichtum auf.

Ihr werdet fragen: Leben im Parque Nacional Yaguas auch Verwandte Paddingtons, die Brillenbären? So zurückgezogen, dass Wissenschaftler*innen sie bis heute nicht entdeckt haben?

Ich habe sie getroffen. Lucy II und ihre Mutter. Lucy II ist Paddingtons jüngste Cousine, von der er allerdings nie erzählt hat. Wir konnten uns nur schwer verständigen. Lucy II und ihre Mutter sprechen weder Englisch noch Deutsch. Ich spreche kein Bärisch. Aber zumindest Lucys Namen habe ich verstanden: Uuoouwwaaaaa. Ich bin glücklich, endlich das „dunkelste Peru“ gefunden zu haben.

Das dunkelste Peru2

Baeume

Lucy u Mutter2

Lieber Paddington! Wir wissen nun, WOHER du kommst und WOHIN du eines Tages vielleicht zurückkehren wirst. Ins „dunkelste Peru“. Gute Reise!

Text und Zeichnungen: Ernst R. Hartmann

Über den Autor

Ernst R. Hartmann

Ernst R. Hartmann

Ernst R. Hartmann, geboren 1950 am linken Niederrhein. Versteht „links“ nicht nur geographisch. Nach Abitur, kaufmännischer Lehre und Ersatzdienst in einem Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt Studium der Mathematik und der Wirtschaftswissenschaften in Aachen und Freiburg i. Br. Arbeitete lange Jahre als Consultant in Einrichtungen des Gesundheitswesens und als Dozent vorwiegend in der Weiterbildung von Pflegekräften.

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