22. Januar 2026

"Wenn das Blut verrät“ von Alfredo Hidalgo Gonzales

Von Gerardo Basurco, Themen Kultur, Gesellschaft und Bildung | Literatur

Der Preis des Egoismus, des Neids und des Verrats

Cover des Taschenbuchs

„Wenn das Blut verrät“ von Alfredo Hidalgo Gonzales ist ein intimer Roman, der die zerbrechlichen Fäden familiärer Bindungen seziert. Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, der sofort unter die Haut geht: Daniel erhält um fünf Uhr siebzehn den Anruf seiner Mutter – sein Vater liegt im Sterben, sein Bruder Lucas ist spurlos verschwunden. Dieser Moment katapultiert ihn zurück in ein Haus voller unausgesprochener Wunden, wo Schweigen schwerer wiegt als Worte.

Alfredo Hidalgo Gonzales hat mit seinem ersten Werk auf Deutsch eine bedeutende Marke gesetzt: Er ist der Schöpfer des Cinematischen Psychologischen Realismus, einer innovativen narrativen und filmischen Strömung des 21. Jahrhunderts mit Ursprung in Deutschland. Seit 2014 lebt und wirkt der peruanische Autor in Heidelberg, wo er diese einzigartige Richtung entwickelte, die psychologische Tiefe mit realistischen, cinematischen Techniken verbindet

Stärken der Erzählweise

Die Struktur in vier Teile („Narben der Kindheit“, „Der Preis des Bleibens“, „Die unsichtbare Fraktur“, „Das Urteil der Familie“) verspricht eine schrittweise Eskalation von inneren Konflikten zu familiärem Urteil. Die Autorenanmerkung macht klar: Dies ist kein Fiction-Produkt, sondern ein Spiegel realer Narben – Neid, Egoismus und Verrat, die Geschwisterliebe in einen stillen Krieg verwandeln. Hidalgo Gonzales, peruanischer Autor mit Sozialpsychologie-Hintergrund, nutzt diesen für eindringliche Charakterstudien, die Leser zwingen, eigene Familiendynamiken zu reflektieren.

Eine erweiterte Struktur des Romans:

  • Familie Eine Familie, die nach außen hin geeint und stabil wirkt, verbirgt Spannungen, die sich über Jahre aufgebaut haben: Vergleiche zwischen Geschwistern, unerfüllte Erwartungen, Eifersucht auf die Aufmerksamkeit der Eltern oder auf die materielle Förderung.
  • Eine Krankheit bringt einen lange schwelenden Egoismus an die Oberfläche: Jemand stellt den eigenen Vorteil über die familiäre Loyalität und löst damit eine Kette immer zerstörerischer Entscheidungen aus.
  • Der Neid wird zum Motor der Handlung: Was eine der Figuren besitzt – Anerkennung, Zuneigung – wird zum Ziel des anderen, der sein Handeln vor sich selbst rechtfertigt und Grenzen überschreitet, von denen er nie gedacht hätte, sie jemals zu übertreten.
  • Der abschließende Verrat finanzieller Natur zeigt, wie sehr sich Blutsbande verzerren können; der Roman erkundet den Preis, den sowohl Opfer als auch Täter zahlen und wie weit Vergebung tatsächlich möglich ist.

Thematische Tiefe

Der Roman fragt nach Vergebung ohne Leugnen und dem Preis des Bleibens versus Weggehens. Er thematisiert Schuld, die sich mit den Jahren nicht auflöst, und wie Ehrgeiz Herzen vergiftet. Für Leser mit Interesse an lateinamerikanischen Kontexten (urban, realistisch) und psychologischen Dramen bietet er Identifikationspotenzial – besonders als Debüt auf Deutsch eines Autors, der in Deutschland lebt.

Kritische Einschätzung

Das Buch zeichnet sich durch einen leisen, eindringlichen Stil aus, der mehr auf emotionale Resonanz als auf Action setzt. Potenziell packend für Fans von familiären Dramen à la „Der Gott der kleinen Dinge“ oder chilenischen Autoren wie Isabel Allende.
Als Spiegel für eigene Erfahrungen punktet es hoch – empfehlenswert für alle, die Narben der Kindheit aufdröseln wollen.

📖 Buch bestellen

Das Buch von Alfredo Hidalgo Gonzales ist online erhältlich – zum Preis von 8,45 €.

Über den Autor

Gerardo Basurco

Gerardo Basurco

Er betätigt sich als Berater und Projektleiter in der Privatwirtschaft und ist Dozent in Entwicklungspolitik und Landeskunde Lateinamerikas für die AIZ/GIZ. Zudem verfügt er über langjährige Erfahrung in der Kooperation zwischen Deutschland und Lateinamerika.
Bei Peru-Vision ist er zuständig für den Bereich Wirtschaft und Politik sowie Consulting.

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