25. August 2013

"Sigo siendo" - Zur Aktualität der ursprünglichen Musik Perus

Von PerúVision, Themen Film | Kultur

Ein Film von Javier Corcuera

Beim Schaffen offenbart der Mensch das Wesen seines Seins, da er dann die Arbeit von jenem fortführt, der ihn geschaffen hat. Und der Geist ist dabei der Schaffende. Der Geist, der immer das Individuelle durchdringt und einer tieferen kollektiven Strömung Ausdruck verleiht. So im Fall des Dokumentarfilms SIGO SIENDO. Wie einst José María Arguedas, führt der Film die verschiedenen Musik-Genres Perus in einem Ganzen als Abbild dieses Landes zusammen, das seine multikulturelle Identität weiter sucht und formt.

Der Film stellt eine fiktive Begegnung dar, eine zelebrierende Mündung verschiedener Rhythmen und Melodien, die aus den vier Himmelsrichtungen tönen. Eine Begegnung von Ethnien, von Nuancen der Hautfarben und der Seelen in poetischem Stil. Das heißt, ohne rationelle Logik in ihrer Struktur und Gliederung, aber mit einer emotionalen und teleologischen Kohärenz, der man sich nicht widersetzen kann.

Javier Corcuera, der Regisseur von SIGO SIENDO, hat meisterhaft den Vers des Bildes geführt und Chano Díaz Limaco, der musikalische Leiter, ebenbürtig die Auswahl der Musik und der Interpreten getroffen.

Ohne Zweifel ist SIGO SIENDO der erste große Film über die peruanische Musik. Ein Film, der der Langeweile von Lehrfilmen und dem Frivolen der schnell vergänglichen Werke entkommt. Auf der einen Seite stützt sich das choreographische Gewicht auf das Kulturgut der Küste, auf der anderen stellt die melodische Achse die andine Musik dar, vertreten hauptsächlich durch die indigene Geige, die das Bewusstsein bohrt und damit Vorurteile überwindet. Hier zeigt sich wieder einmal die Geige als exzellenter Darsteller der höchsten Schwingungen der Musik und der Seele.

Interessant ist die Tatsache, dass in diesem Film des XXI. Jahrhunderts Javier Corcuera der Versuchung nicht erlegen ist, die jüngsten Erscheinungen eines durch die Globalisierung beeinflusster Folklore mit ihren Fusionen und Transfusionen vorzustellen. Die Verbundenheit mit der Tradition verleiht SIGO SIENDO eine dokumentarische Festigkeit, die den Film zeitlos macht.

Die Diskussion darüber, ob alle dabei waren, die dabei hätten sein sollen, wird sicherlich nie enden. Aber diese Diskussion ist zweitrangig. Das Endergebnis ist beeindruckend. Nichts ist aufgesetzt, es ist reiner Genuss von Musik und Bild von Anfang bis Ende.

SIGO SIENDO ging in die peruanischen Kinos am 22. August 2013.

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