08. Juli 2022

Wie kann Peru die Nahrungsmittelkrise bewältigen?

Von ComexPerú, Gerardo Basurco - Redakteur, Themen Soziale Entwicklung | Nachrichten zu Agro-Export Perus | Wirtschaftsnachrichten | Nahrungsmittel

Wie kann Peru die Nahrungsmittelkrise bewältigen?

Peru-Vision veröffentlichen einen Artikel vom ComexPerú, der sich mit der Nahrungsmittelkrise des Landes befasst. Wir bedanken uns bei ComexPerú für die Genehmigung zur Veröffentlichung des Beitrags.

Die Welt befindet sich derzeit in einer Nahrungsmittelkrise, die auf die weitere Verschärfung der weltweiten Handelsbeschränkungen zurückzuführen ist. Das weltweite Angebot an Getreide und Düngemitteln ist aufgrund der Auswirkungen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine, der hohen Containerkosten und der klimatischen Phänomene in Indien und China zurückgegangen. Diese Faktoren führten zu einem Anstieg der weltweiten Lebensmittelpreise. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) lag die jährliche Veränderung des Nahrungsmittelpreisindexes im Mai 2022 bei 22,8 %, während sich die Getreidepreise um 29,7 % gegenüber dem Vorjahr veränderten.

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Darüber hinaus wurde die Weltkonjunktur durch die steigende Inflation in den Industrie- und Schwellenländern, die steigenden Zinssätze und die Einschränkung der Produktionstätigkeit in China aufgrund seiner Null-COVID-Politik geschwächt. Das Zusammentreffen globaler Ereignisse hat zu einem perfekten Sturm geführt, bei dem die Weltwirtschaft (vor allem bei den Entwicklungsländern) angesichts der Nahrungsmittelknappheitskrise anfällig geworden ist.

Die Nahrungsmittelkrise ist für Peru kein Fremdwort, und nach Angaben der FAO werden voraussichtlich 15,5 Millionen Peruaner davon betroffen sein. Nach Angaben des peruanischen statistischen Instituts INEI betrug die Steigerung des Verbraucherpreisindex (VPI) im Mai 8,78 % in den letzten zwölf Monaten und die der Lebensmittelpreise 13,68 % im gleichen Zeitraum. Darüber hinaus ist Peru aufgrund der Abhängigkeit des Agrarsektors von Einfuhren anorganischer Düngemittel aus Russland, die im Jahr 2021 53 % der gesamten Düngemittelimporte ausmachten, anfällig (siehe Semanario 1123).

Konkrete Vorschläge für ein Krisenszenario

In Anbetracht des Szenarios, in dem sich Peru befindet, sind Programme erforderlich, die sich mit diesem Problem befassen. Auf der ersten Ebene muss es eine gezielte Unterstützung für die Schwächsten geben. Sozialprogramme für Gemeinschaftsküchen („Ollas comunes“) spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, den ärmsten Haushalten eine Nahrungsquelle zu erschließen, die sonst unerreichbar wäre. Diese Programme haben den Vorteil, dass die Ausgaben gezielt eingesetzt werden können. Daher ist eine Koordinierung zwischen Wirtschaft und Staat erforderlich, um sie mit Lebensmitteln zu versorgen. Zu diesem Zweck ist ein Verzeichnis der Gemeinschaftsküchen erforderlich.

Zweitens muss die Technologie zur Begleitung der landwirtschaftlichen Erzeuger und damit zur Unterstützung der Exporte eingesetzt werden. Zu diesem Zweck entwickelt das peruanische Ministerium für landwirtschaftliche Entwicklung und Bewässerung (Minagri), wenn auch mit Verspätung, ein Register der landwirtschaftlichen Erzeuger, in dem bis September dieses Jahres mehr als eine Million Erzeuger erfasst werden sollen. Dies würde dem Staat ermöglichen, gezielte Förderprogramme effizienter durchzuführen und insbesondere die Verteilung von Düngemitteln (Harnstoff) und anderen Subventionen zu erleichtern. In diesem Sinne empfiehlt die FAO als mittelfristigen Plan die Verwendung von Bodenkarten, um den spezifischen Düngerbedarf in jedem Gebiet oder jeder Region zu ermitteln.

Darüber hinaus ist dies eine Chance für die Entwicklung und das Wachstum der Produktion alternativer Produkte, die keine chemischen Düngemittel mehr benötigen, wie z. B. die Andenkörner (Quinoa, Amarant, usw.).

Schließlich muss der Staat Vereinbarungen zur Stärkung des Außenhandels umsetzen, insbesondere angesichts der aktuellen internationalen Lage. Dies ist der Fall bei dem Abkommen über die gegenseitige Anerkennung des zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (AEO), das im Mai 2022 von elf lateinamerikanischen Ländern unterzeichnet wurde. Auch das Abkommen mit Kanada über die gegenseitige Anerkennung wurde letzte Woche unterzeichnet. Seine Umsetzung würde eine koordinierte Grenzverwaltung ermöglichen, die die Zollverfahren zwischen den Partnerländern straffen, den Handel erleichtern und den Kostenanstieg bis zu einem gewissen Grad abmildern würde. Diese Maßnahme hat den Vorteil, dass sie kurzfristig und für den Staat weitreichender ist.

Trotz der Schwere der Krise, mit der das Land konfrontiert ist, zeigt die Regierung kein Verständnis für die Folgen der Improvisation. In den letzten Wochen sind verschiedene Probleme im Zusammenhang mit dem Kauf von Düngemitteln zutage getreten, die die Unterstützung der landwirtschaftlichen Erzeuger verzögern. Die Regierung muss ernsthaft handeln und mit dem Privatsektor zusammenarbeiten, um Lösungen für die Krise zu finden, mit der sie konfrontiert ist.

Quelle: ComexPerú

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Gerardo Basurco - Redakteur

Gerardo Basurco - Redakteur

Er betätigt sich als Berater und Projektleiter in der Privatwirtschaft und ist Dozent in Entwicklungspolitik und Landeskunde Lateinamerikas für die AIZ/GIZ. Zudem verfügt er über langjährige Erfahrung in der Kooperation zwischen Deutschland und Lateinamerika.
Bei Peru-Vision ist er zuständig für den Bereich Wirtschaft und Politik sowie Consulting.

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