08. Januar 2022

Einkommensverteilung nach der Pandemie: Die Armutsquote ist gestiegen

Von Grace Villanueva Paredes, Themen Newsletter - 2022 - 01 Januar | Soziale Entwicklung | Volkswirtschaft

Mit Fokus auf die Region Arequipa

Einkommensverteilung nach der Pandemie: Die Armutsquote ist gestiegen

Das Wirtschaftswachstum des Landes hat im Laufe der Jahre zu einer Verringerung der Armutsquote geführt. Das Jahr 2020 bedeutete jedoch einen Rückschlag für die erzielten Fortschritte. Der jüngste technische Bericht "Entwicklung der monetären Armut 2009-2020", der vom Nationalen Institut für Statistik und Informatik (INEI) veröffentlicht wurde, zeigt, dass im Jahr 2020 30,1 % der peruanischen Bevölkerung in Armut lebten, was einen Anstieg von 9,9 % im Vergleich zu den Zahlen von 2019 bedeutet (Siehe: 2019 blieb der Anteil der Armen in Peru gleich). Dies bedeutet wiederum, dass 3 Millionen 330 Tausend Menschen in die Armut gerieten. Damit gehen wir etwa 10 Jahre zurück und befinden uns in einer ähnlichen Situation wie 2010 als die Armutsquote 30,8 % betrug.

3Revista CCIA diciembre 2021Im Fall von Arequipa fällt diese Entwicklung noch gravierender aus, denn die Ergebnisse zur monetären Armut zeigen einen Rücksprung auf die Zahlen von vor 11 Jahren und es war bereits abzusehen, dass dies der Fall sein würde, da die strengen Beschränkungen, die in der Region zur Bekämpfung von COVID-19-Infektionen verhängt wurden bis August 2020 verlängert wurden. Dies war ein längerer Zeitraum im Vergleich zum nationalen Durchschnitt, was die Wirtschaftslage weiter verschlechtert hat und damit auch die Kaufkraft der Familien (siehe Grafik zu Verteilung der Haushalte nach Gruppen NSE A-E).
Die vom INEI vorgelegten Ergebnisse messen die monetäre Armut auf Grundlage der Ausgaben als Indikator für das Wohlergehen und stellen fest, dass arm ist, wer in einem Haushalt wohnt, dessen Pro-Kopf-Ausgaben nicht ausreichen, um einen Korb mit Grundnahrungsmitteln und anderen Gütern zu erwerben.

Es sei darauf hingewiesen, dass die Quote der extremen Armut im Jahr 2020 bei 5,1 % der Bevölkerung des Landes lag, ein Anstieg um 2,2 Prozentpunkte gegenüber 2019; dies bedeutet, dass 732.000 weitere Menschen in extreme Armut geraten sind. Dies versetzt uns in ein ähnliches Szenario wie im Jahr 2013, also ein siebenjähriger Rückschritt. Es ist daran zu erinnern, dass die extreme Armut einen Haushalt definiert, dessen Pro-Kopf Ausgaben unter den Kosten für den Korb mit Grundnahrungsmitteln liegen.4Revista CCIA diciembre 2021

Im Oktober veröffentlichte der peruanische Verband der Marktforschungsunternehmen APEIM einen Bericht über die Verteilung der Haushalte nach Gruppen (siehe NSE)  für das Jahr 2021, der auf den Daten der nationalen Haushaltserhebung ENAHO 2020 basiert. Diese Ergebnisse stehen in engem Zusammenhang mit den Ergebnissen zur monetären Armut. Auf nationaler Ebene nahmen die Haushalte in den wohlhabenden Gruppen NSE A und B ab, während die Haushalte in den ärmeren Gruppen NSE D und E zunahmen. Dies geschah in größerem Umfang in städtischen Gebieten, in denen die Bevölkerung stärker konzentriert ist und wo es größere Beschränkungen zur Eindämmung der Ansteckung von COVID -19 gab.

Verteilung der Haushalte nach Gruppen NSE A-E 2020-2021, Quelle APEIM

Im Fall von Arequipa ist das Verhalten ähnlich wie im nationalen Durchschnitt. Bis 2021 gehen die Anteile der wohlhabenden Gruppen NSE A-, B und C-Haushalte zurück, während die Anteile der ärmeren Gruppe NSE D-Haushalte und der ärmsten Gruppe NSE E-Haushalte zunehmen. 

Verteilung der Haushalte auf Gruppen NSE A E für Arequipa, Quelle: APEIM

Nach Angaben des peruanischen Wirtschaftsinstituts IPE wäre Peru im Jahr 2020 das Land mit dem größten Rückgang der zur Mittelschicht gehörenden Haushalte im Vergleich zu den übrigen Ländern Lateinamerikas. Der prozentuale Anteil der Bevölkerung in der Mittelschicht fiel von 36,7 % im Jahr 2019 auf 27,6 % im Jahr 2020, ein Rückgang, der weit über dem des lateinamerikanischen Durchschnitts liegt. Ein hohes Maß an Informalität und Selbstständigkeit sowie die geringe Abdeckung durch soziale Sicherheitsnetze und die geringe Sparfähigkeit der peruanischen Familien könnten dazu beigetragen haben.

Die vorangegangenen Ausführungen zeigen den Zustand Perus in der Zeit nach der Pandemie. Im Jahr 2021 erholten sich jedoch viele Wirtschaftsindikatoren und damit auch die Beschäftigung. Einigen Fachleuten zufolge haben diese Erfahrungen jedoch zu einem veränderten Konsumverhalten der Peruaner geführt, ihre Ausgabenprioritäten verändert hin zu Verbesserungen in ihren Wohnungen sowie nach Geräten und Kommunikationsdiensten (Internet) angesichts der nach wie vor bestehenden Fern- oder Halbpräsenzarbeit. Außerdem zeigen die Vertrauensindikatoren wenig Optimismus für die kurzfristige Wirtschaftsentwicklung.

 

NSE= Niveles Socioeconómicos (Sozioökonomische Ebenen / Einkommensgruppen / Gruppen). Für die Berechnung dieser Gruppen werden Kriterien wie Ausbildung des Hauptverdieners, Wohnungsqualität, PKW-Besitz, Anstellung von Dienstmädchen, Ausstattung mit elektrischen Geräten und Computern, Verfügbarkeit von Kabelfernsehen und Internet zugrunde gelegt (siehe: APEIM, Niveles Socioeconómicos Lima, Oktober 2020).

Quelle: Ursprünglich erschienen in der Zeitschrift der Industrie- und Handelskammer von Arequipa, Dezember 2021 

Über den Autor

Grace Villanueva Paredes

Grace Villanueva Paredes

Diplom-Wirtschaftsingenieurin mit Spezialisierung auf Finanzen und einem Master-Abschluss in Investitionsprojekten; mit Erfahrung in administrativ-finanziellen Bereichen, Beratung und Hochschullehre.

Derzeit leitet sie die Abteilung für Wirtschaftsstudien der Industrie- und Handelskammer von Arequipa und ist Dozent an der Katholischen Universität Santa María.

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.