24. Mai 2015

Peru und China vereinbaren transkontinentale Eisenbahn und Kooperationen

Von Richard Meier, Themen Bau/Infrastruktur, Schienen, Bergbau, Investition geplant, Wirtschaft, Nahrungsmittel

Von Brasiliens Atlantikküste, quer durch das Land, den ganzen Kontinent bis zur peruanischen Pazifikküste soll sie führen: eine neue, schätzungsweise 10 Milliarden US-Dollar teure und 8.000 Kilometer lange Eisenbahnlinie, mit der Gütertransporte zwischen der China, Peru und der größten lateinamerikanischen Wirtschaft schneller vonstatten gehen. Nachdem es Mitte letzten Jahres Regierungsgespräche über das Mammutvorhaben gegeben hatte (wir berichteten), wurden auf der Visite des chinesischen Premierministers Li Keqiang in Brasilien und Peru vergangene Woche Vereinbarungen hierzu unterschrieben.

In Lima beschlossen beide Seiten, eine Machbarkeitsstudie für die etwa 3.000 lange Strecke auf peruanischem Gebiet durchzuführen. Lokale Medien gehen davon aus, dass die Bahn vom Hafen Bayova bei Piura in Nordperu über die Orte Jaén, Chachapoyas, Tarapoto, Tingo Maria und Pucallpa verlaufen wird. Damit stünde sie in Konkurrenz zu der teilweise bereits bestehenden und von Bolivien angestrebten Linie vom südperuanischen Hafen Ilo über Arequipa, Puno und La Paz (wir berichteten). Ende Juni wollen der bolivianische und der peruanische  Präsident hierüber sprechen.

Die peruanische Infrastruktur-Fördervereinigung Afin hält es für möglich, dass bereits 2018 mit dem Bau der Transkontinentalbahn begonnen wird. Man rechnet mit einer Bauzeit von fünf Jahren. Auch wenn solche Prognosen mit Vorsicht zu genießen sind, lassen das Interesse und die finanziellen Zusagen Pekings für den Schienenweg, durch den Rohstoffe wie Sojamehl und Erze mit weniger Zeit und Kosten aus Lateinamerika gen China befördert werden, eine Realisierung in absehbarer Zeit erwarten. Als Achse zwischen Atlantik und Pazifik könnte die Verbindung sogar für den Handel zwischen Europa und China eine Rolle spielen.

In Peru hofft man, hierbei nicht nur als Umschlagplatz Nutznießer zu sein, sondern auch eigene Produkte, die entlang der Bahnlinie erzeugt werden, besser exportieren zu können: etwa Holz, Kaffee, Kakao, Reis, Tabak, Bananen, Zucker und Phosphate. Beim Bau und späteren Betrieb der Bahn dürften chinesische Firmen wie Chinese Railway Construction Company Regie führen, dennoch könnte das Projekt ein Anstoß für weitere technische Entwicklungen im Land sein. Der Betreiber der zentralperuanischen Eisenbahn von Lima nach Huancayo, Ferrocarril Central Andino, kündigte kürzlich in der Zeitung Gestion mit, 150 Güterwaggons in Peru produzieren zu lassen. Derzeit läuft eine Ausschreibung. Mittelfristig sollen auch Personenzüge in Peru gefertigt werden.

Die peruanische und chinesische Regierung unterzeichneten während des Besuchs von Li weitere Absichtserklärungen, in den Bereichen Molekularforschung, Wasserwirtschaft, Energie, Industrieinvestitionen und zivile Luftfahrt zusammenzuarbeiten. Außerdem wurde eine Vereinbarung getroffen, die den Export von peruanischen Avocados der Sorte "Hass" und von Milch bzw. Milchpulver ins Reich der Mitte erleichtert.

China ist nicht das einzige asiatische Land, das in Peru seine Felder absteckt. Im April war die südkoreanische Präsidentin Park Geun-Hye in Lima zu Besuch. Beide Seiten unterschrieben Abkommen zur Zusammenarbeit beim Ausbau des Stromnetzes in Peru, des Gesundheitssystems bzw. der Transplantationsmedizin und beim E-Government. Außerdem wurde die Koproduktion von Flugzeugen für die peruanische Luftwaffe gewürdigt. (Quellen: La Republica, RPPGestion, Präsidentialamt-Mai, Präsidentialamt-April)

Über den Autor

Richard Meier

Richard Meier

Bei Peru-Vision zuständig für die deutschsprachige Redaktion sowie Industrie- und Infrastrukturthemen.

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