28. September 2015

Die Perumin 32 - Bergbaukongress in Arequipa/Peru

Von Gerardo Basurco, Themen Newsletter - 2015 - 10 Oktober, Bergbau, Wirtschaft

Die Perumin 32 - Bergbaukongress in Arequipa/Peru

Eine der wichtigsten Bergbauveranstaltungen der Welt, die Perumin, wird seit 1954 alle zwei Jahre in Arequipa vom Institut für Bergbauingenieure organisiert. Der Bergbau ist mit Exporten von ca. 20 Milliarden US-Dollar (die Hälfte der Gesamtausfuhren) der größte Devisenerbringer für das lateinamerikanische Land, er trägt neun Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und beschäftigt direkt 1,3 Prozent der peruanischen arbeitsfähigen Bevölkerung. Die Investitionen in diesem Sektor beliefen sich auf 5,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 und waren die höchsten in der Gesamtwirtschaft. Das Investitionsvolumen im Bergbau für die nächsten Jahre wird auf über 50 Mrd. US-Dollar geschätzt.

Die diesjährige Veranstaltung vom 21. bis 25. September trug das Motto: „Der Bergbau, Ausbildung und Beschäftigung“. Aus diesem Grunde wurde der Veranstaltunsort von Cerro Juli zu den Einrichtungen der staatlichen Universität San Augustin verlegt. Die Organisation dieses Mega-Events wurde überschattet durch verschiedene Konflikte bei Bergbauprojekten, nicht zuletzt des auch in Arequipa angesiedelten Projekt „Tia Maria“ (wir berichteten).

Der Vorsitzende des 32. Bergbaukongresses, Roque Benavides, zugleich Geschäftsführer des Bergbauunternehmens Buenaventura (u.a. im Goldvorkommen von Yanacocha im Departament Cajamarca tätig), sagte: „Perumin bietet eine Plattform für den Dialog, den Meinungsaustausch sowie einen Ort für eine Debatte“; sie „strebt einen Beitrag zur Entwicklung der vom Bergbau betroffenen Bevölkerung zu leisten an“, „fördert den Fortschritt, und insbesondere sorgt für Ausbildung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Wir glauben, dass unser Engagement für die Ausbildung der richtige Weg ist, um die Lebensqualität und die persönliche Zukunft der benachteiligten Bevölkerung zu verbessern“. Gerade diese Themen: Ausbildung, Bergbau und ländliche Entwicklung, Projekte zwischen Bevölkerung, Staat und Bergbauunternehmen, soziale Entwicklung waren Inhalt der zahlreich abgehaltenen Konferenzen.

Neuigkeiten auf dem Kongress

Perumin ist einer der wichtigsten und größten Fachkongresse der Welt im Bergbausektor. Begleitet wird die Tagung von der Bergbaumesse "Extemin" sowie von Fachveranstaltungen über Logistik, Technologie und Forschung und über aktuelle und künftige Projekttätigkeiten ("Top Mining in Peru"). Zum Ersten Mal in der diesjährigen Ausgabe gibt es ein „Sozialtreffen“ und ein „Internationales Treffen“. Das Sozialtreffen ist eine Antwort auf die Konflikte zwischen Bergbauunternehmen und ländlicher Bevölkerung. In dem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass Marco Arana, Führer der Bewegung „Tierra y Libertad“ und Anwärter als Präsidentschaftskandidat für die „Breite Front“ (Frente Amplio, ein Bündnis linker Parteien) einen halbstündigen Vortrag am letzten Tag und anschließend an der wichtigen Podiumsdiskussion teilnahm (siehe Videos weiter unten).

Expoalimentaria2015Diskussion zwischen Marco Arana ("Tierra y Libertad") und dem ehemaligen Finanzminister Luís Carranza)

Das internationale Treffen, das auf Initiative der Bundesregierung im Kongressprogramm aufgenommen wurde (wir berichteten), hatte Deutschland als Gastland. Carola Müller-Holtkemper, Attaché für Wirtschaftsfragen der deutschen Botschaft in Perú, sagte in einem Interview: „Bergbau ist immer noch der wichtigste Wirtschaftssektor für die deutsche Industrie, die sehr stark in der Umwelttechnologie, Energiesparmethoden und alles rund um die grüne Wirtschaft bezogen ist. Bei der Bewältigung der sozialen Konflikte über Wasser und seine Verwendung in verschiedenen Wirtschaftszweigen halten wir es für sehr wichtig, in moderne Technologien – wie aus Deutschland – zu investieren“. Werner Ploog, Vertreter einer der 33 deutschen Unternehmen auf der Perumin sagte: „Wir müssen uns bewusst sein, dass die aktuellen Bergbauprobleme ein Spiegelbild der Umweltsünden und Nachlässigkeit einiger Unternehmen sind. Moderner Bergbau funktioniert sehr ökologisch und verantwortungsvoll, gerade in Ländern wie Deutschland hat sich eine Mentalität entwickelt, die auf die Umwelt achtet. Wenn wir offen sind, mit neuen Technologien zu arbeiten, sollten wir uns keine Sorgen machen.“

Perumin in Zahlen

Kernstück der Perumin ist die Bergbaumesse Extemin. Sie ist die wichtigste Bergbaumesse Lateinamerikas und zog 2013 mehr als 118.000 Besucher an, 1033 Firmen aus mehr als 20 Ländern stellten auf 2000 Ständen aus. Dieses Jahr sind 1450 Stände vorgesehen, 763 ausstellende in- und ausländische Firmen werden erwartet, die zum Teil in 17 Länderpavillons ausstellen werden. Andererseits kamen dieses Jahr deutlich weniger Besucher als vor zwei Jahren: Die Zahl der Konferenzbesucher lag mit mit ca. 5000 Personen um 60% unter der von 2013 (Semana Económica). Diese Entwicklung hat zum einen mit fallenden Preisen für Bergbauprodukten und der weltweiten Konjunkturlage (besonders in China) und zum anderen mit den sozialen Konflikten in Peru zu tun. Auch seitens der Regierung war eine mangelnde Präsenz zu sehen: Waren 2013 sieben Minister, der Regierungschef und der Präsident anwesend, zeigten sich 2015 lediglich der Erziehungsminister und die Bergbauministerin in Arequipa. Dies lässt sich mit den für 2016 bevorstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen zu erklären, da die Regierungspartei keine Nähe zur Bergbaulobby zeigen will.

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Über den Autor

Gerardo Basurco

Gerardo Basurco

Er betätigt sich als Berater und Projektleiter in der Privatwirtschaft und ist Dozent in Entwicklungspolitik und Landeskunde Lateinamerikas für die AIZ/GIZ. Zudem verfügt er über langjährige Erfahrung in der Kooperation zwischen Deutschland und Lateinamerika.
Bei Peru-Vision ist er zuständig für den Bereich Wirtschaft und Politik sowie Consulting.

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