14. Dezember 2014

Peru und der Klimawandel – ein Überblick zum Abschluss des UN-Gipfels

Von Richard Meier, Themen Automobil, Bildung/Forschung, Umwelt, Politik, Energie

Der Weltklimagipfel in Lima (COP 20) ist an diesem Wochenende mit der für diese Mammutveranstaltungen üblichen Verlängerung abgeschlossen worden. Für den Gastgeber Peru bedeutete die UN-Konferenz auf jeden Fall einen Aufmerkskeitsgewinn in zweierlei Hinsicht. Über das Land wurde zwei Wochen lang in ausländischen und also auch deutschen Medien so viel berichtet wie selten, und zwar nicht unter Gesichtspunkten wie Busunglücke oder Meerschweinchen. Peruanische Zeitungen und Sender wiederum widmeten dem Klimathema zahlreiche Sonderberichte, sodass in der Bevölkerung das Bewusstsein dafür gewachsen sein dürfte. Hinzu kamen einige konkrete Vereinbarungen, die das Land betreffen. Wir greifen zentrale Punkte heraus:

In Peru ist die Produktion von Treibhausgasen seit 2000 zweistellig gewachsen. Der mit Abstand gravierendste Faktor ist die Rodung des Regenwaldes, wodurch Kohlendioxid freigesetzt wird und die künftige Kohlendioxidabsorption des Waldes schrumpft. Laut dem Umweltministerium gingen seit der Jahrtausendwende über 1 Millionen Hektar Waldfläche verloren, bei einem derzeitigen Bestand von 68 Millionen Hektar. Alarmierend ist, dass sich die Entwaldung beschleunigt: Wurden im Jahr 2000 schätzungsweise 80.000 Hektar zerstört, dürften es vor einem Jahr 147.000 Hektar gewesen sein. Mit der japanischen Entwicklungszusammenarbeit JICA vereinbarte das peruanischen Umweltministerium während des Gipfels, ein satellitengestütztes System zur Beobachtung des Urwalds zu entwickeln, um genauere Informationen zu erlangen und so die Abholzung besser bekämpfen zu können. Zuvor hatten Norwegen und Deutschland Peru finanzielle Unterstützung für den Regenwaldschutz in Aussicht gestellt (wir berichteten). Während Peru und Norwegen auf dem Gipfel eine entsprechende Vereinbarung über 300 Millionen US-Dollar abschlossen, wird mit Deutschland noch verhandelt.

Illegaler Bergbau im Amzonasgebiet und der großflächige Anbau von agrarischen Exportgütern tragen nach Ansicht der Hilfsorganisation Caritas am meisten zum Waldverlust bei. Wie die Tageszeitung taz berichtet, fallen Waldflächen großen Palmölplantagen zum Opfer. Für Brandrodungen sind aber auch Kleinbauern verantwortlich, die alle paar Jahre weiterziehen (Wanderfeldbau). Caritas sowie das peruanische Landwirtschaftsministerium versuchen, diesen Bauern waldschonende Produktionsweisen beizubringen. Bei dem informellen Bergbau handelt sich unter anderem um Goldschürfer, die den Boden auswaschen und mittels Quecksilber Partikel des Edelmetalls herausfiltern. Menschen und Umwelt werden dadurch vergiftet; hierzu ein Bericht der Agentur AFP.

Die zweitgrößte Klimabelastung in Peru verursacht der Verkehr. Die Bundesregierung kündigte während der Gipfeltage an, Klimaschutzmaßnahmen in diesem Bereich von kommendem Jahr an finanziell zu fördern. Damit solle der öffentliche Personennahverkehr in Peru ausgebaut werden, unter anderem mit neuen emissionsärmeren Bussen und Bahnen, heißt es. Auch Großbritannien, Dänemark und die EU-Kommission werden Gelder beisteuern. Die peruanische Regierung sieht in der Umstellung von Diesel- auf emissionsärmere Gasmotoren einen Beitrag zum Atmosphärenschutz. Derzeit fahren 200.000 Autos im Land mit dem alternativen Treibstoff. Diese Zahl soll sich nach Meinung des Energie- und des Verkehrsministeriums verzehnfachen.

An dritter Stelle der Treibhausgasproduktion steht die Stromerzeugung. Etwa 40 Prozent der Energie wird in Peru aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Nach Angaben des Umweltministeriums soll der Anteil erneuerbarer Energie, wozu auch und vor allem Wasserkraft gezählt wird, von derzeit 54 auf 60 Prozent in zehn Jahren steigen. In absoluten Zahlen wäre dies eine Kapazitätsverdoppellung von 6.500 Megawatt auf schätzungsweise 13.000 Megawatt, weil der Gesamtbedarf ebenfalls zunimmt.

Solar- und Windkraftwerke spielen in diesem Szenario eine Nebenrolle (wir berichteten), wenngleich die Regierung betront, dass Peru ein Windkraftpotential von 22.000 Megawatt habe. Zudem setzt man darauf, nicht ans Stromnetz angeschlossene Haushalte mit  kleinsten Photovoltaikanlagen auszurüsten (hierzu frühere Meldung, ausführlich berichtet das Wall Street Journal).

Welche Folgen hat die Klimaveränderung für Peru? Nach einer Studie, die die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika auf der Konferenz veröffentlichte, drohen der Fischerei, der Viehzucht im Hochland und der Landwirtschaft die größten wirtschaftlichen Schäden. Temperaturanstiege verringern den Sauerstoffanteil im Ozean und damit Fischbestände, Trockenheit und Hitze lassen Weideflächen schwinden und Extremwetter führt zu Ernteausfällen. Gerade die in Peru weit verbreitete Kartoffel ist temperaturempfindlich. Kleinbauern haben schon heute mit dem Klimawandel zu kämpfen, wie die Zeitung Der Standard berichtet. Während die Erdererwämung einerseits Trockenheit bedingt und damit die ohnehin angespannte Trinkwassersituation in der Wüstenstadt Lima verschärft (hierzu Süddeutsche Zeitung), begünstigt sie andererseits Starkregen bzw. das El-Niño-Phänomen (hierzu Deutsche Welle).

Der Temperaturanstieg zeigt sich in Peru auch am Schmelzen der Anden-Gletscher, die seit den 1970er Jahren 40 Prozent ihres Umfangs verloren haben (wir berichteten). Die Regierung beschloss nun, ein nationales Institut zur Erforschung der Gletscher und der Gebirgs-Ökosysteme zu gründen. Es soll in Huaraz angesiedelt werden und auch den benachbarten Andenstaaten offenstehen.

Oppositionspolitiker werfen der Regierung vor, in Sachen Umweltschutz nur Lippenbekenntnisse abzugeben. Kritisiert wird insbesondere, dass in den jüngsten Konjunkturpaketen ökologischen Standards für Investitionsvorhaben gesenkt wurden. Die Süddeutsche Zeitung schließt sich dieser Sicht an, nimmt hiervon aber den Umweltminister Manuel Pulgar-Vidal (der den Gipfel leitete) aus.

Über den Autor

Richard Meier

Richard Meier

Bei Peru-Vision zuständig für die deutschsprachige Redaktion.

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